Bellsche Ungleichung
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Bellsche
Ungleichung und Aspect-Experiment gehen davon aus,
dass zwei verschränkte Photonen sich in entgegengesetzte Richtungen ausbreiten,
wobei beide verschränkt verschiedene Möglichkeiten der Spinorientierung
beinhalten. Unabhängig von ihrer gegenseitigen Entfernung sollen beide Photonen
verschränkt bleiben. Falls ein Photon gemessen oder "präpariert"
wird, so nimmt es einen definierten Wert an. Dann wird instantan
die Eigenschaft des anderen bereits weit entfernten festgelegt. Diese
Nichtlokalität ist für die Physik wesensfremd und erzeugt allgemeines
Unbehagen.
In
Anwesenheit von Adipolen (und Luftmolekülen), die letztlich wie beim Schall
Träger der Wellenausbreitung sind, erfolgt unmittelbar nach der atomaren
Emission des Photons eine Wechselwirkung mit den benachbarten Adipolen oder
Streuzentren, so dass das Photonenpaar de-kohärent wird. Quantentheoretisch
sollten die für die Superposition auftretenden Interferenzterme der
Wellenfunktion wegen der unmittelbaren Lokalisierung verschwinden(3). Messungen
an beiden Photonen führen dann zu disjunkten Resultaten, wobei die jeweiligen
Schwingungsebenen wegen der statistischen Verteilung und Orientierung der
ungestörten Adipole und der damit verbundenen Fluktuation ihrer elektrischen
Feldstärken um die anfänglichen Ausrichtungen schwanken. So sind auch Gase in
der Lage, bei Vorliegen von elektrischen oder magnetischen Feldern
Schwingungsebenen zu drehen (Faraday, Kerr, Verdet).
Auch
hier helfen Modelle aus der Makrophysik: Sacharimeter messen die Konzentration
von optisch aktiven Zuckermolekülen, wobei die Drehung der Schwingungsebene
Messgröße ist. Das Maß der Drehung ist proportional zum Produkt aus optischer Weglänge und Zucker-Konzentration. Werden beide Faktoren
stetig kleiner, so leistet letztendlich ein einzelnes Molekül seinen
spezifischen Beitrag. Bei sogenannten razemischen Gemischen liegen links- und
rechtsdrehende Moleküle in solchen Mengen vor, dass sich beide Effekte gerade
ausgleichen. In diesem Fall wird man an das Galtonbrett
erinnert, bei dem die Verteilung der Kugeln einem binomialen
Gesetz folgt, das bei großen Kugel- und Schachtzahlen in die
Normalverteilung übergeht. Mit diesem Bild folgt:
Die
anfangs korrelierten Photonen erfahren unmittelbar nach ihrer Emission während
der Ausbreitung eine Streuung der Schwingungsrichtung um den vorgegebenen Wert.
Nur so ist auch folgende Aufgabe aus einem Standard-Lehrbuch zu verstehen(1):
Zwei
um 90° gegeneinander verdrehte Polarisationsfilter sind für weißes Licht
intransparent. Bringt man jedoch ein drittes Filter, das um z.B. 60°
gegen das erste verdreht ist, zwischen beide Filter, so wird das System aus
drei Filtern transparent. Es gilt mit Io
als Eingangsintensität nach dem Gesetz von Malus:
I
= 0.5 * Io * cos2(60°) *
cos2(30°) = 0,094
9,4
% des einfallenden Strahls verlassen das System.
Nun
sind aber Filter Vorrichtungen, die aus Vorhandenem etwas aussondern,
keineswegs hinzufügen. Wenn trotzdem aus Filter 3 Strahlung austritt, so müssen
hinter dem Polarisationsfilter 1 und auch Filter 2 die Schwingungsebenen
verdreht worden sein.
Dieses
Ergebnis ist wiederum vergleichbar mit zwei untereinander gestellten
Galton-Brettern, wobei das zweite unterhalb eines Schachtes außerhalb der Mitte
des ersten aufgestellt ist. Unter dem zweiten Brett findet man die gleiche
Verteilung, aber mit weniger Kugeln. Die Mitten der Verteilungskurven sind
gegeneinander verschoben. Hinter Brett 2 werden Schächte erreicht, die nach
Brett 1 nie erreicht wurden.
Eine
einfache Messung der Drehung wäre möglich mit drei parallelen Filtern, wobei
das mittlere drehbar ist. Als Funktion des Drehwinkels folgt die
Intensitätsverteilung als Funktion von cos4α
So
wird verständlich, dass zwei Photonen, beide in z.B. z-Richtung polarisiert,
durch zwei entfernte Analysatoren mit großer Wahrscheinlichkeit
gleichorientiert gemessen werden, wenn die Standardabweichung der
Normalverteilung gering ist.
Normalverteilung.
Im
Adipol-Modell dreht die Schwingungsebene um die
Strahlrichtung um beliebige Winkel wobei auch Drehungen um 360° und höher
zunächst denkbar sind. Versuche mit gekreuzten Polarisatoren zeigen jedoch,
dass die Drehung nach dem Polarisator praktisch unterhalb 90 ° bleibt, da hinter
dem um 90° verdrehten Analysator keine Strahlung beobachtet wird. Die
Standardbreite der Normalverteilung liegt also sicher unter +/- 90°.
Nun
gilt für jeden Winkel
,
was bedeutet, dass, welchen Winkel man auch immer einstellt, hier das Maximum
der Strahlung erwartet wird. Damit gilt auch immer: exp{ } =1. Mit cos²
+ sin²
= 1
folgt das Gesetz von Malus, denn
f
gibt die Zahl der Photonen mit der Energie E =
h * ω an, die den Polarisatorspalt passieren. Wegen der Proportionalität
von Energie und Intensität folgt:
I
(
) =
*
cos²![]()
f(0)
ist umgekehrt proportional zu ϭ; kleine Standardabweichung bedeutet hohe
Photonendichte und umgekehrt.
Alle
zur Schwingungsebene geneigten polarisierten Wellen passieren den Polarisator
nicht. Die Summe beider Strahlenmengen entspringt exakt den
zur Intensität der Schwingungsebene beitragenden Atome. Aber trotzdem ist nicht
sicher, dass jedes Photon den Spalt passiert, denn jedes Photon hat bei
Erreichen des Filters eine zufällige Winkelabweichung. Aber andere Photonen von
anderen Atomorientierungen tragen zum Gesamtphotonenstrom durch den Spalt bei,
solange die Verteilungskurven für verschiedene Winkel sich also partiell
überdecken.
Notwendig
für eine derartige Statistik ist jedoch eine große Zahl von Photonen. Bei der
gewohnten Ableitung des Gesetzes von Malus(4) wird häufig der elektrische
Vektor in seine Komponenten senkrecht E‘
= E*cos(α) und waagerecht E“ = E *sin(α) zu einer reflektierenden
Ebene zerlegt. Doch dann bliebe die Frequenz oder Farbe nicht erhalten. Bei
diesem Gesetz ist nicht möglich, die Photonendichte kontinuierlich bis zu einem
Photon zu reduzieren, da dann die Intensität des z.B. reflektierten Strahles
E²*cos²(α) beträgt, die Energie des Photons = h * ν mit α
variiert, was Farbänderung bedeuten würde. Mit dem Adipol-Modell
tritt diese Schwierigkeit nicht auf, denn jedes polarisiertes Photon passiert
den Analysator als Ganzes.
Unbekannt
ist die Standardbreite, die über Messungen zu bestimmen ist und u.U. die
Mechanismen der Adipole aufhellt. So wäre vielleicht messbar, ab wann zwei
gegeneinander geneigte Polarisationsebenen sich beeinflussen, das heißt, ab
wann die Verteilungskurven sich in größerem Maße überlappen.
Diskussion.
Mit
dem Adipol-Modell werden Diskussionen über
Nichtlokalität überflüssig, denn nach Verlassen des Strahlers werden die
Photonen dekohärent. Eine schmale Varianz, wie oben
geschildert, täuscht die Kohärenz vor, so dass bei Messung des einen, das
andere mit großer Wahrscheinlichkeit noch immer den primären Wert zeigt.
Während
man in der aktuellen Interpretation mit der andersgearteten Welt der
Quantenmechanik mit "Kopenhagener Schule" etc. zufrieden ist, regt
das Adipol-Modell zu weiteren Überlegungen an.
Die
Dekohärenz der Photonen im Adipol-Modell
sollte offensichtlich sein. Aber das Galton-Brett ist sicher kein gutes Modell:
Die Kugeln werden durch Nägel zerstreut, die praktisch wie makroskopisch
schwere Körper auf die Kugeln wirken. Die Photonenwelle dagegen stößt auf
Adipole von gleicher Masse wie die die Welle darstellenden Adipole oder auf
Luftmoleküle mit ungleich größerer Masse. Die Hindernisse sind keinesfalls
starr. Aber so lange hierfür kein positives theoretisches Modell besteht,
bleibt Hoffnung, die Nichtlokalität zu meiden1032.
Literatur:
(1)
(Beispiel zitiert nach: Halliday, Resnik,
Walker; Physik; Wiley VCH 2003;S.981)
(2)
Josef Küblbeck, Rainer Müller; Die Wesenszüge der
Quantenphysik; Aulis Bd.60; 2002):
(3)
Claus Kiefer, Quantentheorie, Fischer-Taschenbuch 2002
(4)
Helmut Vogel: Gerthsen, Physik; 20. Auflage, S.535
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